Wie weit verbreitet ist der illegale Handel und missbräuchliche Konsum des Wirkstoffes Pregabalin in Bremen?

Kleine Anfrage der Fraktion der FDP Bremen.

Der Wirkstoff Pregabalin ist in Deutschland verschreibungspflichtig und wird insbesondere zur Behandlung bei Epilepsie und neuropathischen Schmerzen, sowie auch Angststörungen verabreicht. Das Medikament hat eine beruhigende Wirkung und kann auch euphorisierend wirken. Genau dies macht Pregabalin zu einem Medikament mit starkem Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential. In den letzten Jahren wurde vermehrt über missbräuchlichen Konsum berichtet, sowie auch über dessen wachsender Bedeutung in der Drogenszene.
Vor allem Menschen mit bestehenden Suchterkrankungen oder bei gleichzeitigem Konsum anderer psychoaktiver Substanzen besteht ein erhöhtes Risiko für eine Abhängigkeit von Pregabalin. Der Wirkstoff wird dabei auch gezielt konsumiert, um die Wirkung anderer Drogen, insbesondere Opioiden, zu verstärken. Fachleute und Mediziner warnen in diesem Zusammenhang vor erheblichen gesundheitlichen Risiken, da vor allem beim zusammenhängenden Konsum mit Opioiden es im schlimmsten Fall sogar tödliche Folgen haben kann.
Laut einer Studie aus dem Vereinigten Königreich aus dem Jahr 2024 konnten die Forscher eine steigende Anzahl Abhängiger feststellen, sowie auch vermehrt Todesfälle, bei denen Pregabalin nachgewiesen wurden. Bei einem Großteil der Todesfälle wurde ebenfalls festgestellt, dass gleichzeitig ebenfalls anderer Opioide konsumiert wurden. Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sind die Zahlen für Deutschland ähnlich.
Neben dem missbräuchlichen Konsum gewinnt offenbar auch die illegale Beschaffung und Weitergabe von Pregabalin an Bedeutung. Da der Wirkstoff in einigen Staaten außerhalb Europas (vor allem den Maghreb-Staaten und auch im Nahen Osten) günstiger ist und auch ohne eine ärztliche Verschreibung erhältlich ist, kommt es vermehrt zu illegalen Einfuhren und Weiterverkäufen. Vor diesem Hintergrund gab es bereits 2024 in Baden-Württemberg eine Durchsuchung einer Asylunterkunft vom Zoll, bei denen rund 30.000 Tabletten des Wirkstoffes sichergestellt werden konnten. Dieser Tatbestand zeigt auf, dass der illegale Handel mit Pregabalin bereits in Deutschland verbreitet ist und auch Bremen auf diese Fälle achten sollte.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

  1. Wie viele Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz (AMG) beziehungsweise gegen sonstige einschlägige straf- oder ordnungsrechtliche Vorschriften im Zusammenhang mit verschreibungspflichtigen Wirkstoffen wurden im Land Bremen in den Jahren 2020 bis einschließlich 2025 festgestellt?
  2. Wird bei Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz im Land Bremen eine statistische Erfassung nach einzelnen Wirkstoffen vorgenommen?
    a. Wenn ja, welche Wirkstoffe waren in den Jahren 2020 bis 2025 in welcher Häufigkeit Gegenstand entsprechender Verstöße?
    b. In wie vielen Fälle lagen Bezüge zur organisierten Kriminalität im Sinne der polizeilichen Definition vor?
  3. Wurden in den Jahren 2020 bis 2025 Schwerpunktkontrollen, Ermittlungsverfahren oder gemeinsame Einsätze unter Beteiligung von Zoll-, Polizei- oder Gesundheitsbehörden im Zusammenhang mit dem illegalen Handel verschreibungspflichtiger Arzneimittel durchgeführt? Wenn ja, mit welchen Ergebnissen?
  4. Welche Erkenntnisse liegen dem Senat zum missbräuchlichen Gebrauch sowie zur illegalen Weitergabe des Wirkstoffes Pregabalin im Land Bremen vor?
  5. Gibt es Erkenntnisse über den Schmuggel oder die Einfuhr von Pregabalin aus dem Ausland, insbesondere aus Staaten außerhalb der EU?
  6. Wie viele Ermittlungsverfahren wurden wegen Rezeptfälschung im Zusammenhang mit Pregabalin eingeleitet?
  7. Welche Erkenntnisse liegen dem Senat über die Verbreitung von Pregabalin in der offenen Drogenszene im Land Bremen vor?
  8. Welche Erkenntnisse liegen dem Senat über den Handel mit Pregabalin über Online-Marktplätze, soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste im Land Bremen vor?
  9. Gab es in Bremen in den vergangenen Jahren Hinweise auf Todesfälle oder schweren Intoxikationen bei einer Mischung von Opioiden und Pregabalin?
  10. Wie viele Einsätze des Rettungsdienstes oder Krankenhausbehandlungen standen in den Jahren 2020 bis einschließlich 2025 im Zusammenhang mit Pregabalin-Intoxikationen oder Mischintoxikationen?
  11. Welche Maßnahmen ergreifen Polizei und Sicherheitsbehörden zur Bekämpfung des Missbrauchs und illegalen Handels mit Pregabalin?
  12. Welche Erkenntnisse liegen den Bremer Suchthilfeeinrichtungen über den missbräuchlichen Konsum von Pregabalin und dessen Entwicklung vor?
  13. Inwiefern gibt es besondere Konzepte oder Empfehlungen für substituierende Ärzte im Umgang mit Pregabalin?
  14. Welche Präventionsmaßnahmen existieren im Land Bremen, um insbesondere Jugendliche und suchtgefährdete Personen über die Risiken des missbräuchlichen Konsums von Pregabalin aufzuklären?
  15. Welche Zusammenarbeit besteht hierbei zwischen Polizei, Gesundheitsbehörden, Staatsanwaltschaft, Suchthilfeeinrichtungen und weiteren zuständigen Institutionen?
  16. Gab es in den Jahren 2020 bis 2025 Warnhinweise, Lagebilder oder Mitteilungen von Bundesbehörden, insbesondere des Bundeskriminalamtes, des Zollkriminalamtes oder des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, zum missbräuchlichen Gebrauch oder illegalen Handel mit Pregabalin mit Bezug zum Land Bremen?
  17. Sieht der Senat zusätzlichen Handlungsbedarf im Umgang mit dem Missbrauch und der illegalen Weitergabe von Pregabalin im Land Bremen, und wenn ja, welchen?