Realitäten erkennen, Chancen nutzen, Zukunft gestalten – Medienkompetenz in der frühkindlichen Bildung stärken

Dringlichkeitsantrag der Fraktion der FDP.
Der 14. und 15. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung (2013 und 2017) weisen darauf hin, dass die zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft starken Einfluss auf den Alltag und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hat. Als Teil ihrer Lebensrealität haben Kinder immer früher Zugang zu digitalen Medien. Die pädagogische Arbeit in den Tageseinrichtungen wird dadurch natürlich beeinflusst. Beide Berichte betonen deshalb, dass die Nutzung unterschiedlichster digitaler Angebote sowohl im Kontext öffentlicher als auch privater Bildung und Erziehung Fragen nach Begleitung aufwerfe.

Der Bremer Bildungs- und Erziehungsplan 0-10 versteht Kindertageseinrichtungen als Orte, die Kinder und Familien in allen Fragen der frühkindlichen Erziehung und Entwicklung begleiten. Stärker als je zuvor müssen sie deshalb auch das Aufwachsen in einer digitalen Gesellschaft begleiten und die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Medien als pädagogische Aufgabe verstehen. Im Sinne des vom Bildungs- und Erziehungsplan verfolgten ganzheitlichen Förderansatzes bedeutet das, dass die medienpädagogische Arbeit als identitätsbildende Erfahrung integraler Bestandteil eines Bildungskonzeptes sein muss.

Viele Familien, besonders aber auch Fachkräfte fühlen sich in diesem Themenfeld unsicher und die Bildungseinrichtungen selbst haben unterschiedlichste, oft unzureichende Ressourcen, um auf dem gesamten Gebiet der digitalen Bildung überhaupt qualifiziert arbeiten zu können. In den letzten Jahren mehren sich im Bundesgebiet deshalb die Initiativen, strukturelle und inhaltliche Haltungen für einen altersgerechten Umgang mit digitalen Medien im Kita-Alltag zu erproben und entsprechende Modellprojekte wissenschaftlich zu begleiten. Dabei wird die reflexive Auseinandersetzung der Fachkräfte mit Fragen zum Thema unregulierter/regulierter Medienkonsum bei Kindern thematisiert, um den Kindern selbst angemessen zu begegnen, aber den gesamten Bereich Medienkonsum auch im Elterngespräch entsprechend qualifiziert und kritisch hinterfragen zu können. Neben der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen liegt ein zweiter Schwerpunkt immer auf der Diskussion der Chancen, die sich aus einer altersgerechten Medienbildung für die frühkindliche Bildung ergeben und der Frage, wie der Einsatz digitaler Medien zur Qualitätssteigerung beitragen kann. Eltern und Fachkräfte in ihrer Handlungssicherheit zu stärken ist dabei immer das erklärte Ziel, weshalb das Thema einerseits verstärkt in der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften und ihrer Fortbildung Berücksichtigung finden muss und andererseits Informationsangebote das Thema inhaltlich in den Familien begleiten.

Wissen und Handlungssicherheit im Umgang mit digitalen Medien(-themen) dürfen nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Pädagogische Fachkräfte arbeiten aktuell in einem ambivalenten Spannungsverhältnis: Kinder kommen mit ganz unterschiedlichen Medienerfahrungen – von einer völligen Abwesenheit aller digitaler Formate bis hin zu einem nicht altersgerechten Dauerkonsum unterschiedlichster Medien – in den Einrichtungen zusammen. Entsprechende Relevanz hat das Thema in den Familien selbst und entsprechend schwanken auch die Erzieherinnen und Erzieher in ihrer Position, ob digitale Medien in der Kita eine Rolle spielen oder ob die Kita als medienfreier Schutzraum aufrechterhalten werden sollte. Dieser Unsicherheit gilt es aktiv zu begegnen, denn sie erschwert nicht nur den Alltag in den Bildungseinrichtungen, sondern verstellt auch den Blick dafür, dass Medien auch im Kita-Alltag sinnvoll genutzt werden könnten, um Kompetenzen etwa im Bereich Sprache nachhaltig und individuell zu fördern. Auch das Land Bremen muss deshalb für seine Bildungseinrichtungen definieren, wie – besonders in den Kindertageseinrichtungen – die Entwicklung einer digitalisierten Gesellschaft fachlich fundiert begleitet werden kann, um zu klären, in welcher Form und mit welcher Zielsetzung Kindertageseinrichtungen Medienbildung und die Digitalisierung in der Lebenswelt von Kindern als pädagogisches Thema aufgreifen können.

Die Bremische Bürgerschaft (Landtag) möge beschließen:

Die Bremische Bürgerschaft (Landtag) fordert den Senat auf:

  1. Zum Kita-Jahr 2021/22 an ausgewählten Einrichtungen ein digitales Medienkonzept für die frühkindliche Bildung auf der Basis bestehender Untersuchungen zu entwickeln und zu etablieren, das mit einer entsprechenden Qualifizierung der Mitarbeitenden und Eltern einhergeht und für das eine angemessene technische Ausstattung (inkl. Wartung) zur Verfügung gestellt wird.
  2. Gleichzeitig einen Plan vorzulegen, wie über einen Zeitraum von fünf Jahren das gesamte pädagogische Personal in den Kindertagesstätten der Stadtgemeinden entsprechend qualifiziert werden kann, um ein für Bremen verbindliches Medienkonzept an allen Einrichtungen etablieren zu können (inkl. technischer Ausstattung).
  3. Parallel der staatlichen Deputation für Kinder und Bildung einen Entwurf vorzulegen, wie die Ausbildungsinhalte in allen pädagogischen Berufen im Bereich der frühkindlichen Bildung entsprechend angepasst werden müssen.
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