„Digitales Gesamtkonzept Schule“ für Bremen und Bremerhaven

Antrag der Fraktion der FDP.

Mit den Corona bedingten Wochen des Schulausfalls bzw. des eingeschränkten Regelbetriebs haben sich die Rahmenbedingungen schulischen Lernens umfassend verändert. Der Beschluss der Kultusminister vom 18. Juni 2020 sieht zwar für das Schuljahr 2020/2021 wieder einen Regelbetrieb vor, lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass bei gleicher Pandemielage personelle und räumliche Ressourcen begrenzt sind und weiterhin davon auszugehen ist, dass Unterricht Präsens- und Onlinephasen kombinieren wird.

Dieser Hybridunterricht erfordert eine umfassende konzeptuelle Neufassung des gesamten schulischen Bereichs. Dabei wird zu allein auf die technische Ausstattung fokussiert. Durch das Ringen um die Gelder für die technische Ausstattung hat sich der Irrglaube eingeschlichen, dass die Transformation vorrangig eine Frage der technischen Ausstattung ist. Die technische Ausstattung mit Soft- und Hardware bei Lehrkräften sowie Kindern und Jugendlichen ist aber nicht mehr als ein Ausgangsbaustein, der in eine tragfähige Bildungsstruktur eingefügt werden muss.

Teure Endgeräte, viele Nutzer und unterschiedliches technisches Vorwissen erfordern ein Supportsystem. Derzeit wenden dafür viel zu oft engagierte Lehrerinnen und Lehrer ihre Freizeit auf. Bisweilen können sie immerhin Abminderungsstunden anrechnen, was den Umfang des Fachunterrichts an den Schulen reduziert. Dieses Engagement ist vorbildhaft und dankenswert, gleichzeitig aber weder planbar noch als tragfähige Struktur für alle Schulen voraussetzbar. Der Weggang einer einzigen Lehrkraft kann eine Schule vor große Probleme stellen. Wichtig ist es deshalb, die Schulen flächendeckend mit informationstechnischen Assistentinnen und Assistenten auszustatten. Ihre Fachkenntnisse im Bereich der Software, Hardware und Netzwerktechnik entsprechen genau dem Aufgabenspektrum in Schulen.

Ist die technische Ausstattung mit Soft- und Hardware von Schülerinnen und Schülern, aber auch von Lehrerinnen und Lehrern ein zwar kostenintensiver, aber relativ schnell umsetzbarer Ausgangsbaustein für die Umsetzung des digital gestützten Unterrichtes, muss gleichzeitig das Bildungsziel eindeutig definiert werden. Regelmäßig und seit vielen Jahren gehört Bremen der letzte Platz in den Bildungsrankings. Der Bildungserfolg ist stärker als in allen anderen Ländern an die soziale Herkunft gebunden. Ein klares Bekenntnis, diesen Trend endlich stoppen zu wollen, ist die Grundvoraussetzung für einen inhaltlich-methodischen notwendigen Wandel von Lehre, damit die Kinder und Jugendlichen dieser Stadt nicht länger den Anschluss an ihre Altersgenossen verlieren.

Die Zukunft ist digital. Ein kompetenter Umgang mit digitalen Medien bei gleichzeitig fachlich-inhaltlich klar definierten Ansprüchen ist die Basis dafür, dass Kinder und Jugendliche mündige Bürgerinnen und Bürger in der Welt von morgen werden. Dafür brauchen sie digitale, kreative und problemlösende Kompetenzen. Um diese zu erreichen, müssen zukünftig die Präsenz- und online-Phasen bestmöglich miteinander verzahnt werden. Ein solches Konzept muss eine ganze Reihe von Fragen beantworten, um das erklärte Bildungsziel zu erreichen und einen neuen Rahmenplan für die Lehrerinnen und Lehrer auf den Weg zu bringen, der den Anforderungen von online gestützter Lehre gerecht wird: Wie kann die Messung von Lernerfolg aussehen? Wie erfolgt konstruktives Feedback an Schüler und Eltern? Wie werden Zukunftskompetenzen gefördert? Was muss sich in der Lehrerausbildung und -weiterbildung ändern? Und, besonders wichtig, wie kann mehr soziale Gerechtigkeit erreicht werden, dass nicht mehr das Elternhaushaus darüber entscheidet, welche Chancen ein Kind in der Schule hat? Dass jede Schülerin/jeder Schüler ein eigenes Endgerät hat, kann dabei nur der erste Schritt sein. Um den Wandel in eine moderne Bildungswelt zu vollziehen muss außerdem gefragt werden, was im Bestehenden noch zeitgemäße Bildung ist und was für Neues weichen kann? Der Lehrplan muss aufgeräumt werden, auch diese Diskussion muss endlich geführt werden.

Die Bremische Bürgerschaft (Landtag) möge beschließen:

Die Bremische Bürgerschaft (Landtag) fordert den Senat auf,

  1. ein technisches Supportsystem an jeder Schule aufzubauen, dass personell mit mindestens einer/m informationstechnischen Assistentin/Assistent ausgestattet ist.
  2. über its-learning die Weiterentwicklung einer modernen Cloud-Struktur für den gesamten Bereich Schule voranzutreiben, um einerseits den Bereich der einheitlichen Datenerfassung zu regeln und andererseits ein einheitliches Softwarepaket für die unterschiedlichen methodischen Bedürfnisse der digitalen Anteile von Unterricht uneingeschränkt allen zur Verfügung zu stellen.
  3. einen neuen Rahmenlehrplan für digital gestützte Lehre zu entwickeln, der sich dem Ziel verpflichtet, die Bildungsqualität eindeutig zu steigern und die Bildungsgerechtigkeit nachweislich zu verbessern.

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