Abwasser als Informationsquelle und Frühwarnsystem konsequent nutzen
Antrag der Fraktion der FDP Bremen.
Während der Corona-Pandemie diente das Abwasser als wichtige Informationsquelle für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Auch Bremen hat im Rahmen des Projektes „Abwassermonitoring für die epidemiologische Lagebewertung“ (AMELAG) von Umweltbundesamt und Robert Koch-Institut auf Abwasseruntersuchungen gesetzt und es auf Fragmente des SARS-CoV-2-Virus untersucht, um mögliche Infektionswellen, aber auch um neuen Virusvarianten auf die Spur zu kommen.
Das hat zur Verbreitung des Abwassermonitorings beigetragen und der gezielten Untersuchung auf verschiedene Krankheitserreger, nicht nur SARS-CoV-2, sondern auch Influenzaviren und respiratorische Synzytialviren (RSV), zunächst einen Schub verliehen. Zudem fordert die EU-Kommunalabwasserrichtlinie die Etablierung solcher Monitoring-Strukturen bis Ende Juli 2027.
Allerdings deckt laut Umweltbundesamt das vereinfachte Monitoring-Spektrum, das seit 2025 die Abwasserproben von noch ca. 50 Kläranlagen (vormals 170) untersucht, nur noch die Abwasserdaten von rund 25% der Bevölkerung ab.
Und dabei können Abwasseruntersuchungen nicht nur wichtige Daten über die Verbreitung von Infektionskrankheiten sowie zu Antibiotikaresistenzen liefern, sondern ermöglichen auch Rückschlüsse auf den Drogenkonsum. Ein Monitoring auf Drogenrückstände, das auch die Entwicklung von Konsummustern aufzeigt, wird in Bremen bislang nicht durchgeführt; kann aber ein wichtiges Instrument für eine effektive Präventionsstrategie sein.
Vor diesem Hintergrund stellt das Abwasser eine große Informationsquelle und als Spiegel der Gesellschaft ein durchaus wirksames Frühwarnsystem dar. So lassen systematische Untersuchungen Ausbreitungstrends, aber auch Dunkelziffern erkennen und ermöglichen so die Beurteilung der Gesundheit als Ganzes, vielfach noch bevor diese in klinischen Daten sichtbar wird. Dies wiederum erlaubt es, zeitnah gezielte Präventionsmaßnahmen mit Blick auf die öffentliche Gesundheit zu ergreifen.
Die Bürgerschaft (Landtag) möge beschließen:
Die Bürgerschaft (Landtag) fordert den Senat auf,
- ein flächendeckendes abwasserbasiertes Monitoring durchzuführen mit dem Ziel, für eine höhere regionale Datendichte das kommunale Abwasser sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven systematisch und repräsentativ nicht nur hinsichtlich Viruslasten und Krankheitserreger mit Relevanz für die öffentliche Gesundheit sowie Antimikrobieller Resistenzen zu beproben, sondern auch auf Drogenrückstände zur objektiven Ermittlung von Konsummustern und Wirksamkeit von Präventionsmaßnahmen.
- bei der Ausweitung und Weiterentwicklung des Abwassermonitorings Künstliche Intelligenz und Methoden des Maschinellen Lernens einzusetzen, um Daten zu analysieren und zu interpretieren, auch mit Blick auf das Aufkommen und die Verbreitung unbekannter Erreger und Substanzen.
- dass die aus dem Abwassermonitoring gewonnenen Daten und Erkenntnisse Eingang in kommunale gesundheitspolitische Entscheidungen und Präventionsstrategien finden und darüber hinaus dazu dienen, die Effektivität von Maßnahmen zu bewerten.
- sich auf Bundesebene für die Einführung eines bundesweiten Abwassermonitorings auf Drogenrückstände mit einheitlichen Messverfahren und Methoden zur Trendberechnung einzusetzen.
- der staatlichen Deputation für Gesundheit, Pflege und Verbraucherschutz regelmäßig über die Ergebnisse des Abwassermonitorings, deren Bewertung und daraus resultierenden (Präventions-)Maßnahmen zu berichten.