Geburtshilfe und Hebammenversorgung: Wie ist die Entwicklung im Land Bremen?
Große Anfrage der Fraktion der FDP Bremen.
Am 12. März 2025 hat die Hochschule Bremen die ersten Absolventinnen des Internationalen Bachelorstudiengangs Hebammen feierlich verabschiedet und damit eine ganz neue Generation von Hebammen in die Praxis entlassen. Eingeführt wurde der Studiengang im Wintersemester 2020/2021 zum einen mit dem Ziel der Versorgungsverbesserung von Schwangeren vor, während und nach der Geburt sowie zum anderen der Qualitätsentwicklung und des Wissenstransfers. Perspektivisch soll die Akademisierung helfen, mehr Hebammen auszubilden und so dem Mangel an Fachkräften im Hebammenberuf im Land Bremen zu begegnen.
Doch gerade vor dem Hintergrund der akademisch aufgewerteten Ausbildung und des verkündeten Erfolgs der Akademisierung des Berufsfeldes stellt sich die Frage, wie sich die Geburtshilfe und Hebammenversorgung im Land Bremen in den vergangenen Jahren entwickelt hat, was zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Hebammen getan werden kann und welche Weiterbildungsperspektiven altrechtlich qualifizierte Hebammen, bei denen es sich um hervorragend ausgebildete Fachkräfte handelt, haben.
Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:
- Wie viele Geburten wurden im Land Bremen in den vergangenen fünf Jahren verzeichnet und wie viele erfolgten
a. in Krankenhäusern?
b. außerklinisch (in Geburtshäusern, als Hausgeburten oder als Unterwegsgeburten)?
(Bitte jeweils jährlich und getrennt für die Stadtgemeinden sowie nach Stadtteilen angeben.) - Welche Kenntnis hat der Senat, wie viele Schwangere aus dem Einzugsgebiet Niedersachsen in Bremen und Bremerhaven durchschnittlich pro Jahr geburtshilflich versorgt werden und wie viele Schwangere aus welchen Gründen nicht versorgt werden können?
- Welche Geburtenzahlen prognostiziert der Senat für die Stadtgemeinden für die kommenden zehn Jahre?
- An welchen Kliniken im Land Bremen kam es in den vergangenen 24 Monaten aus welchen Gründen zur Überlastung von Kreißsälen, was wurde zur Beseitigung der Engpässe unternommen und in wie vielen Fällen wurden Schwangere in Bremer Krankenhäusern aus welchen Gründen abgewiesen?
- Wie hoch ist die Wiederaufnahmerate von Wöchnerinnen in Kliniken innerhalb von 30 Tagen nach Entlassung und was sind die Hauptgründe dafür?
- Wie viele Hebammen sind in Bremen
a. in Kliniken tätig? Wie viele sind dort in Vollzeit, wie viele in Teilzeit beschäftigt und wie viele Planstellen sind unbesetzt?
b. freiberuflich tätig?
c. angestellt sowie auch als freiberufliche Hebamme tätig?
d. im bundesweiten Vergleich pro 1.000 Einwohner beschäftigt? - Wie viele Geburtsvorbereitungskurse und Rückbildungskurse werden in den Stadtgemeinden auf Stadtteilebene angeboten, wie ist durchschnittliche Auslastung und inwiefern werden die Angebote als ausreichend erachtet?
- Wie hoch ist nach Kenntnis des Senats der aktuelle Bedarf an ambulanter und stationärer Hebammenhilfe im Land Bremen und demgegenüber das tatsächliche Angebot auf Stadtteilebene und von welchem Bedarf wird bis 2030 ausgegangen?
- Wie hat sich die nachgeburtliche Betreuungsquote durch Hebammen in den vergangenen zwei Jahren in den Stadtgemeinden auf Stadtteilebene entwickelt?
- Wie hoch ist nach Kenntnis des Senats der Anteil der Frauen in den Stadtgemeinden,
a. die nach der Entbindung durch eine Nachsorgehebamme versorgt werden?
b. ohne entsprechende Versorgung, die sich eine Nachsorgehebamme wünschen?
(Bitte jeweils für die letzten 24 Monate und möglichst auf Stadtteilebene darstellen.)
c. Wie bewertet der Senat nachgeburtliche Versorgungssituation in den Stadtgemeinden, insbes. bezogen auf die Ausdifferenzierung auf Stadtteilebene? - Wie bewertet der Senat die Versorgungssituation für Alleinerziehende oder sozial benachteiligte Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett?
- Wie bewertet der Senat die geburtshilfliche Versorgungsituation von Frauen mit Migrationshintergrund und wie viele Hebammen haben in Bremen Fremdsprachenkenntnisse?
- Inwiefern tragen die HebammenZentren zur Verbesserung der Strukturen und Versorgung bei, wie viele Hebammen sind an den Standorten jeweils in welchem Umfang tätig und wie viele Frauen wurden in 2025 jeweils betreut?
- Wie bewertet der Senat die Arbeitsbedingungen von Hebammen an Bremer Kliniken und wie hat sich das Betreuungsverhältnis während wesentlicher Phasen der Geburt in den vergangenen 5 Jahren entwickelt?
- Wie bewertet der Senat die Forderungen nach einer 1:1 Betreuung von Schwangeren durch Hebammen?
- Wie hat sich die Zahl der Kaiserschnitte im Land Bremen in den vergangenen fünf Jahren entwickelt, wo steht Bremen im Bundesvergleich und mit welchen Maßnahmen fördert der Senat die natürliche Geburt?
- Welche Maßnahmen plant der Senat zur Förderung des Ausbaus von Familienzimmern in den geburtshilflichen Einrichtungen des Landes, um die familienorientierte Versorgung nach der Geburt zu stärken?
- Wann und mit welchem Ergebnis wurde das Versorgungskonzept Hebammenkreißsaal für Bremen evaluiert, wie bewertet der Senat das Konzept und welche Pläne verfolgt der Senat zur flächendeckenden Etablierung hebammengeleiteter Kreißsäle im Land Bremen?
- Wie bewertet der Senat die Versorgung mit Hebammen, Gynäkologen und Kinderärzten und Neonatologen und welche Handlungsbedarfe werden gesehen?
- Inwiefern kommen telemedizinische Anwendungen und Online-Sprechstunden in der Geburtshilfe zur Anwendung, ist eine Ausweitung entsprechender Angebote geplant, welche Hürden bestehen ggf.?
- Wie bewertet der Senat die Vergütungssituation der Betreuungsdienstleistungen freiberuflicher Hebammen, ihre Auswirkungen auf die Arbeitsgestaltung und Attraktivität des Berufes und welche Handlungsbedarfe werden gesehen?
- Welche Kenntnis hat der Senat welcher durchschnittliche Zeitaufwand freiberuflichen Hebammen für Fahrten sowie für Verwaltung und Dokumentation entsteht?
- Inwieweit plant der Senat, das Wegegeld für freiberuflich tätige Hebammen im Land Bremen ergänzend zu fördern, um die flächendeckende Versorgung – insbesondere in unterversorgten Stadtteilen – zu sichern und die Wirtschaftlichkeit der aufsuchenden Hebammentätigkeit zu verbessern?
- Wie ist die Altersstruktur der
a. angestellten Hebammen?
b. ausschließlich freiberuflichen Hebammen?
c. Von welchen Berufsaustritten durch Renteneintritten ist in den kommenden zehn Jahren auszugehen? - Wie bewertet der Senat die durch die Akademisierung veränderten Ausbildungsbedingungen, welche Pläne zur Weiterentwicklung des Studiengangs gibt es, auch mit Blick auf die Etablierung einer eigenständigen Forschung im Bereich der Hebammenwissenschaft?
- Welche Forschungsvorhaben im Bereich Geburtshilfe und Hebammenwesen werden in Bremen aktuell gefördert oder durchgeführt bzw. befinden sich in Planung?
- Welche Abbruchquote weist die Hebammenausbildung im Land Bremen auf?
- Welche Kenntnis hat der Senat, wie viele der in Bremen ausgebildeten Hebammen im Beruf verbleiben und ihn längerfristig in Bremen oder Bremerhaven ausüben?
- Ist die Durchführung von Berufsverbleibsstudien geplant und zu wann? Wenn nein, warum nicht?
- Welche Möglichkeiten sieht der Senat, im Rahmen von Kooperationen freiberuflich tätigen Hebammen für Weiterbildungen Zugang zu simulationsbasierten Lernorten wie dem Skills- und Simulationszentrum der Hochschule Bremen zu ermöglichen?
- Inwiefern haben nach Kenntnis des Senats altrechtlich qualifizierte Hebammen den Wunsch, sich akademisch weiter zu qualifizieren?
a. Welche Möglichkeiten bestehen aktuell, berufsbegleitend den Bachelorgrad zu erlangen?
b. Inwiefern ist geplant, ein Modell zur niedrigschwelligen Nachqualifizierung zu entwickeln, dass den hohen Qualifizierungsstand und zugleich die Lebenssituation etablierter Hebammen, die bspw. kein Auslandssemester erlaubt, berücksichtigt? - Wie bewertet der Senat die Niederlassungsförderung, mit der das Land Hessen die Neu- und Wiederaufnahme einer freiberuflichen Hebammentätigkeit sowie die Gründung oder Erweiterung eines hebammengeführten Geburtshauses unterstützt?
- Wie viele Studienplätze für Hebammenwesen stehen jährlich an der Hochschule Bremen zur Verfügung und wie viele Bewerbungen gehen durchschnittlich ein?
- Wie unterstützt das Land Bremen Studierende mit Kind oder pflegebedürftigen Angehörigen während des Hebammenstudiums?
- Welche Qualitätsindikatoren werden zur Bewertung der geburtshilflichen Versorgung herangezogen und wie haben sich diese in den letzten fünf Jahren entwickelt?
- Inwiefern existieren interprofessionelle Netzwerke oder Arbeitsgemeinschaften zwischen Hebammen, Gynäkologen, Kinderärzten und Sozialdiensten?