1.700 freie Kita-Plätze: Wie nutzt Bremen die neue Lage für mehr Qualität?
Kleine Anfrage der Fraktion der FDP Bremen.
Nach Jahren, in denen teilweise mehr als 1.000 Familien in Bremen bei der Kita-Suche leer ausgingen, hat sich die Lage grundlegend gewandelt: Nach Angaben des Senats sind derzeit über 1.700 Kita-Plätze frei. Selbst nach Versorgung aller rund 300 noch wartenden Kinder dürften am Ende rund 1.400 Plätze frei bleiben. Zugleich ist es gelungen, 1.100 Kinder in die Kitas zu holen, die zuvor von ihren Eltern nicht angemeldet worden waren.
Aus Sicht der Fraktion der FDP ist diese Entwicklung ein wichtiger Erfolg – und zugleich eine Chance, die jetzt genutzt werden muss: Nachdem jahrelang jeder freie Platz vor allem als Erfolg im Sinne einer ausreichenden Verwahrung galt, muss der Fokus nun auf die Qualität der frühkindlichen Bildung wandern – auf bessere Sprachförderung, eine bessere Vorbereitung auf die Schule und mehr Raum für soziales Miteinander in den Gruppen. Eine gute frühkindliche Förderung wirkt präventiv und kann dazu beitragen, dass später weniger Kinder eine aufwendige individuelle Förderung benötigen.
Offen ist aktuell, wie sich diese Gesamtzahlen auf die einzelnen Stadtteile verteilen, wie viele Kinder tatsächlich ohne jeden Betreuungsplatz sind und wie viele lediglich auf eine bestimmte Wunscheinrichtung warten, sowie welche Folgen die Schließung kleinerer Kitas und Elternvereine für die Angebotsvielfalt vor Ort hat. Ebenso stellt sich angesichts der in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Ausgaben für den Kita-Bereich die Frage, welche messbare Qualitätsverbesserung diesen Mitteln bislang tatsächlich gegenübersteht.
Zugleich warnt die Fraktion der FDP davor, die aktuell entspannte Platzsituation als Anlass für neue Sparmaßnahmen im Kita-System zu nehmen – etwa bei Personal, Gruppengrößen oder der Erzieherausbildung, gerade kleinere Gruppen kommen vielen Kindern in ihrer Entwicklung zugute.
Ergänzend zu den Antworten des Senats auf frühere Anfragen – etwa zur schul- und stadtteilgenauen Ganztags- und Hortversorgung (Drucksache 21/675 S), zur Wirksamkeit der frühkindlichen Sprachförderung (Drucksache 21/1680), zum Ganztagsschulausbau (Drucksache 21/1319) und zur anstehenden Reform der Kita-Finanzierung (Drucksache 21/741 S) – zielt diese Kleine Anfrage auf die bislang offenen Fragen zur allgemeinen Kita-Platzsituation sowie zu kleinen Kitas und Elternvereinen.
Beschlussempfehlung:
Wir fragen den Senat:
I. Aktuelle Platzsituation
- Wie bewertet der Senat die aktuelle Kita-Platzsituation in Bremen, und wie viele Plätze werden nach Versorgung aller angemeldeten Kinder voraussichtlich frei bleiben?
- In welchen Stadtteilen bzw. Ortsteilen stehen aktuell Kita-Plätze leer, und in welchen Stadtteilen bestehen weiterhin Wartelisten?
- Wie viele der rund 300 aktuell noch wartenden Kinder sind nach Kenntnis des Senats tatsächlich unversorgt, weil in ihrem Stadtteil kein Platz zur Verfügung steht, und wie viele warten lediglich auf einen Platz in einer bestimmten Wunscheinrichtung, obwohl andernorts freie Plätze zur Verfügung stünden?
II. Qualität statt Verwahrung
- Welche messbare Qualitätsverbesserung – etwa beim Betreuungsschlüssel, beim Sprachstand der Kinder oder bei der Fachkraftquote – ist nach Einschätzung des Senats in den vergangenen Jahren aus den stark gestiegenen Ausgaben für den Kita-Bereich hervorgegangen?
- Welches Konzept verfolgt der Senat, um die freien Kapazitäten gezielt für eine Qualitätsoffensive – insbesondere Sprachförderung, Schulvorbereitung und soziale Kompetenzen – zu nutzen, statt sie ungenutzt zu lassen?
- Bis wann plant der Senat, ein entsprechendes Konzept vorzulegen bzw. der Bürgerschaft darüber zu berichten?
- Liegen dem Senat – über die in Drucksache 21/1680 dargestellten Effekte auf die Sprachförderquote hinaus – Erkenntnisse darüber vor, inwiefern insbesondere eine bessere frühkindliche Sozialkompetenzförderung den späteren Bedarf an intensiver individueller Förderung, etwa Inklusionsassistenz oder sonderpädagogischen Förderbedarf, senken kann?
- Plant der Senat angesichts der aktuell entspannten Platzsituation Einsparungen im Bereich Personal, Gruppengrößen oder Erzieherausbildung? Falls nein, wie stellt der Senat sicher, dass hierauf verzichtet wird?
III. Kleine Kitas und Elternvereine
- Wie viele kleine Kitas bzw. Elternverein-Kitas mit ein oder zwei Gruppen mussten in den vergangenen Jahren in Bremen schließen, und was waren jeweils die Gründe für die Schließung?
- Welche Folgen haben diese Schließungen aus Sicht des Senats für ein wohnortnahes und vielfältiges Betreuungsangebot sowie für die betroffenen Familien?
- Wie beurteilt der Senat die aktuelle Situation der verbliebenen kleinen, gemeinnützigen Elternvereins-Kitas, und plant er gezielte Unterstützungsmaßnahmen für diese Einrichtungen?