Code statt Klischee – Mädchen und Frauen für MINT-Berufe begeistern!
Große Anfrage der Fraktion der FDP.
Digitale und technische Kompetenzen sind eine zentrale Voraussetzung für Innovationsfähigkeit, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Für das Land Bremen ist die Sicherung von Fachkräften in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) daher von strategischer Bedeutung.
Gleichzeitig sind Mädchen und Frauen in MINT-Studiengängen, technischen Ausbildungsberufen und insbesondere in IT-Berufen weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Bundesweit liegt der Frauenanteil in Informatikstudiengängen bei rund 25 %, in IT-Berufen deutlich darunter. Auch im Land Bremen zeigt sich eine anhaltende geschlechtsspezifische Segregation bei Studien- und Berufswahlen.
Bildungs- und sozialwissenschaftliche Studien belegen, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wahl von MINT-Fächern und -Berufen nicht primär auf Leistungsunterschiede zurückzuführen sind, sondern auf früh geprägte Interessen, stereotype Rollenbilder und unterschiedliche Selbstkonzepte. So zeigt der OECD-Bericht „She Figures 2023“, dass der geringere Frauenanteil in MINT-Studiengängen und -Karrieren nicht durch Leistungsdefizite, sondern durch strukturelle und soziale Bedingungen bedingt ist. Zudem weisen PISA-Ergebnisse (OECD 2018/2022) darauf hin, dass Mädchen trotz vergleichbarer Leistung in Mathematik ein niedrigeres Interesse und geringeres Selbstvertrauen in MINT-Bereiche berichten. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit, frühzeitig geschlechtersensible Bildungsstrukturen in Schulen zu etablieren.
Von besonderem Interesse ist daher, welche Wirkungen bestehende Programme entfalten, inwieweit geschlechterspezifische Ursachen systematisch adressiert werden und welche strukturellen Maßnahmen erforderlich sind, um den Anteil von Mädchen und Frauen in MINT-Fächern, Studiengängen und Berufen nachhaltig zu erhöhen.
Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:
Ausbildungs- und Studienzahlen
- Wie viele Mädchen und Frauen haben in den vergangenen fünf Jahren eine MINT-bezogene Ausbildung begonnen, wie viele Studienanfängerinnen im MINT-Bereich gab es in den vergangenen fünf Jahren an den Hochschulen und der Universität im Land Bremen und wie unterscheiden sich diese Anteile im Bundesvergleich? (Bitte jährlich und prozentual ausweisen.)
- Wie viele Frauen haben in den vergangenen fünf Jahren eine MINT-bezogene Ausbildung oder ein Studium an einer Hochschule oder der Universität abgeschlossen und wie unterscheiden sich diese Anteile im Bundesvergleich? (Bitte jährlich und prozentual ausweisen.)
- Inwiefern liegen dem Senat Erkenntnisse darüber vor, welche Faktoren Mädchen und Frauen im Land Bremen davon abhalten, eine Ausbildung oder ein Studium im MINT-Bereich aufzunehmen?
- Wie bewertet der Senat die geschlechtsspezifische Verteilung in MINT-Studiengängen, Ausbildungen und Berufen im Land Bremen im Bundesvergleich?
- Sieht der Senat strukturelle Ursachen für die Unterrepräsentanz von Frauen im MINT-Bereich und wenn ja, welche?
- Welche Zielgrößen verfolgt der Senat zur Erhöhung des Frauenanteils im MINT-Bereich und wie gedenkt der Senat diese zu erreichen?
- Welche evidenzbasierten Maßnahmen bewertet der Senat als besonders wirksam zur Erhöhung des Frauenanteils im MINT-Bereich und welche strukturellen Konsequenzen zieht er daraus für die Bildungspolitik im Land Bremen?
Berufsorientierung
- Welche Kooperationen bestehen zwischen Schulen und Unternehmen, Hochschulen, der Universität Bremen oder Initiativen zur Förderung von Mädchen im MINT-Bereich im Land Bremen?
- Inwiefern werden geschlechterspezifische Unterschiede bei der Berufswahl im MINT-Bereich in der schulischen Berufsorientierung berücksichtigt, um stereotype Berufsbilder abzubauen?
- Inwiefern werden weibliche Fachkräfte aus MINT-Berufen derzeit in schulische Lern- und Berufsorientierungsangebote eingebunden, um Schülerinnen Vorbilder zu vermitteln, und welche Maßnahmen sind künftig geplant, um diese Einbindung auszubauen?
- Inwiefern werden Aktionstage wie der Girls’ Day oder vergleichbare Projekte im Land Bremen evaluiert, um ihre Wirksamkeit für die Gewinnung von Mädchen für MINT-Berufe zu überprüfen?
Interesse von Schülerinnen wecken
- Inwiefern wird geschlechtersensible Didaktik verbindlich in der Lehrkräfteausbildung sowie in Fortbildungen für MINT-Fächer verankert, um unterschiedliche Lernzugänge von Schülerinnen und Schülern zu berücksichtigen?
- Welche Maßnahmen stellt der Senat sicher, um stereotype Zuschreibungen im Unterricht und in Lehrmaterialien systematisch zu vermeiden?
Vorbilder, Mentoring und Projekte
- Inwiefern existieren im Land Bremen langfristig angelegte Förderprogramme für Mädchen im Bereich MINT und digitale Technologien und um welche handelt es sich konkret?
- In welchem konkreten Umfang werden die folgenden Projekte derzeit an Schulen im Land Bremen umgesetzt und an welchen Schulen werden diese Projekte (Aufschlüsseln nach Jahrgängen und Anzahl der Schülerinnen)
a. Be oK“ der Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF)
b. „mint:pink“
c. „MINTsteps“
d. Welche weiteren Projekte zur Förderung von Mädchen im MINT-Bereich werden derzeit an Schulen im Land Bremen umgesetzt und anhand welcher Kriterien bewertet der Senat deren Reichweite, Nachhaltigkeit und tatsächliche Wirkung auf Bildungs- und Berufswahlentscheidungen? - Auf welcher empirischen Grundlage bewertet der Senat die Wirksamkeit der genannten Projekte zur Förderung von Mädchen im MINT-Bereich, inwiefern wurden diese wissenschaftlich evaluiert und welche konkreten Ergebnisse liegen hinsichtlich einer nachhaltigen Erhöhung des Anteils von Mädchen in MINT-Fächern, – Ausbildungen oder – Studiengängen vor?