Positionspapier zur Galopprennbahn

Die Bremer Galopprennbahn in Sebaldsbrück und angrenzend an die Vahr und Osterholz, ist ein 30 Hektar großes Gelände. Die Geschichte der Rennbahn begann im Jahr 1857 mit der Gründung des Bremer Rennvereins (Bremer Reit Club) und dem Bau der historischen Holztribüne im Jahr 1907. Um 2000 wurde die Galopprennbahn modernisiert und für den Rennsport in Bremen auch seitens der Politik beworben. Die Renntage erfreuten stets viele Bremerinnen und Bremer aus allen Teilen der Bevölkerung. Insbesondere der Familientag war ein jährliches Highlight. Im Jahr 2005 ging sowohl das ATLANTIC Hotel Galopprennbahn als auch die GolfRange in Betrieb. Die Pferderennsporttradition endete am 30. März 2018 mit der Austragung des letzten Renntags. Bereits 2015 verkündete der damalige Wirtschaftssenator Martin Günthner das Aus für den Rennsport und damit auch das Aus eines Stückes Bremer Kulturguts. Im November 2016 beschloss der Senat ein Bebauungsvorhaben auf dem Rennbahngelände mit rund 1.000 Wohneinheiten. Ein Jahr später zahlte die Stadt Bremen der GolfRange 3,89 Millionen Euro, um den Pachtvertrag vorzeitig zu beenden. Nach derzeitigem Stand endet der Betrieb der GolfRange am 31. Dezember 2019.

Gegen die Entscheidung des rot-grünen Senats, die Rennbahngelände großflächig zu bebauen, formierte sich Widerstand in der Bevölkerung. Die Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen setzte sich gegen eine Bebauung und für den Erhalt grüner Ausgleichsflächen für die bereits dichte Bebauung in der Vahr und der Industriefläche in den betroffenen Stadtteilen ein. Bis zum Herbst 2018 sammelte die Bürgerinitiative rund 29.000 Unterschriften, von denen 24.183 Unterschriften anerkannt wurden. Damit hatte die Initiative das notwendige Quorum für ein Volksbegehren deutlich erreicht. Da die Bremische Bürgerschaft mit den Stimmen der rot-grünen Koalition und der Linken das Volksbegehren abgelehnt haben, kam es parallel zur Bürgerschaftswahl 2019 zum Volksentscheid über die Fläche. 55,88 % der Wähler haben damals für das Ortsgesetz und somit für den Erhalt der Grünfläche gestimmt.

Die FDP-Fraktion stand und steht hinter dem Anliegen der Bürgerinitiative. Dieses Projekt ist eine Herzensangelegenheit der Bremerinnen und Bremer. Wir sehen hier erhebliche Potenziale, den Naherholungswert in der Vahr, Hemelingen und Osterholz, aber auch für ganz Bremen zu steigern und somit die Lebensqualität kontinuierlich zu verbessern. Durch eine Renaturierung und Mischnutzung der Fläche kann zudem das Stadtklima und die Stadtökologie aufgewertet werden. Wir sehen in der Fläche der Galopprennbahn diverse Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten für die Bremerinnen und Bremer, für die Familien aus den anliegenden Stadtteilen und für den Tourismus. Auch auf ein generelles Aus des Reitsportes auf der Rennbahn sollte verzichtet werden. Der Reitsport hat in Bremen Tradition und ist weiterhin mit der Trainingsanlage in Bremen Mahndorf vertreten. Des Weiteren ist das Rennbahngelände eine wichtige Ausgleichsfläche für zukünftige Bauvorhaben und für die maßvolle Nachverdichtung im Sinne der Innenentwicklung.

Die Fraktion der Freien Demokraten fordert ein schnelles Handeln der Verantwortlichen und ein tragfähiges Konzept, welches kurzfristige Lösungen für Veranstaltungen und Zwischennutzung umsetzt. Für ein mittel- und langfristiges Konzept bedarf es eine schnelle Einsetzung des Runden Tisches, an dem alle wesentlichen Interessengruppen mit eingebunden werden. Sowohl für Veranstaltungen als auch für eine Zwischennutzung wurden bereits viele Ideen eingebracht. Diese Ideen reichen von Konzerten über Streetfoodfestivals, Golf, bis hin zum therapeutischen Ponyreiten. Wichtig ist ein transparenter Prozess, bei dem sowohl die Bürgerinnen und Bürger wie auch das angrenzende ATLANTIC Hotel gehört werden und deren Interessen mit einfließen.

Positionen der FDP-Fraktion Bremen / Chancen für das Rennbahngelände
  1. Die FDP-Fraktion Bremen spricht sich ohne Kompromiss für den Erhalt des Rennbahngeländes ohne Wohnbebauung aus. Die Stadt Bremen als Eigentümerin ist in der Pflicht, alle notwendigen Maßnahmen einzuleiten, um das Rennbahngelände kurz-, mittel-, und langfristig als Sport-, Event- und Naherholungsgelände zu erhalten und weiter zu entwickeln.
  2. Das Rennbahngelände muss für die Öffentlichkeit über intelligente und sichere Wegeverbindungen zeitnah zugänglich gemacht werden. Nur wenn die Erreichbarkeit und die Sicherheit gewährleistet ist, wird das Rennbahngelände von der Öffentlichkeit akzeptiert.
  3. Bremen braucht attraktive Naherholungsflächen, insbesondere in den bereits dicht bebauten Stadtteilen. Die Rennbahn kann zu einer Fläche weiterentwickelt werden, die das soziale Miteinander sowie die kulturelle Vielfalt fördert, und den Familien in Bremen einen zusätzliche Erholungsfläche bietet.
  4. Das Rennbahngelände muss für alle Teile der Bevölkerung gleichermaßen zugänglich gemacht werden, um so auch den sozialen Zusammenhalt in der Stadt zu fördern und zu stärken.

  5. Die Rennbahnfläche kann zudem als Ausgleichsfläche für zukünftige Bauvorhaben und der Nachverdichtung dienen.
  6. Die Fläche muss so entwickelt werden, dass flexible Nutzungsmöglichkeiten und Freizeitangebote dargeboten, beziehungsweise geschaffen werden können. Die Galopprennbahn bietet sich an, um Sportangebote, Musik-Events und kulturelle Veranstaltungen im Einklang mit der Natur angeboten werden können.
  7. Neben verschiedenen Veranstaltungsmöglichkeiten bietet das Rennbahngelände Platz für naturnahe Aktivitäten. So sind Möglichkeiten für einen Platz mit Spiel- und Sportgeräten, einen Trimm-Dich- und Erlebnispfad nicht auszuschließen. Die Gestaltungsmöglichkeiten eines bienenfreundlichen Stadtparks sowie eines kleinen Stadtwald sind ebenfalls zu prüfen. Zudem ist die Schaffung einer größeren Hundefreilauffläche zu erwägen.
  8. Das Finanzierungskonzept für einen Stadtpark oder einen Stadtwald ist so aufzustellen, dass auch die Option eines Bürgerfonds beziehungsweise eines Baumpatenschaften-Programm durch die Bremerinnen und Bremer ermöglicht wird.
  9. Keine Nutzungsmöglichkeit darf von vornherein ausgeschlossen werden. Es bedarf einem offenen Dialog mit Interessenten und Nutznießern, sowie den Verantwortlichen des Rennbahngeländes.
  10. Das ATLANTIC Hotel Galopprennbahn ist als wichtiger Partner mit in die Entwicklung des Rennbahngeländes einzubinden. Hier geht es nicht nur um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadt Bremen, sondern auch um die Sicherung von Arbeitsplätzen. Zudem ist die Tourismusbranche eine wichtige Einnahmequelle für Bremen. Insbesondere bei dem für das Hotel zu garantierenden Lärmschutz, können Ausnahmen nur in beiderseitigem Einverständnis gemacht werden.
  11. Jeder Tag ohne Nutzung kostet die Stadtgemeinde Bremen Geld für die Pflege und den Unterhalt des Rennbahngeländes. Deshalb ist es dringend ratsam, dass die WFB eine Einigung mit der GolfRange trifft, die zumindest einen übergangsweisen Weiterbetrieb der GolfRange sichert. Dadurch würde nicht nur dafür gesorgt, dass die Kosten für Unterhalt und Pflege der gesamten Fläche so lange eingespart werden, bis eine anderweitige Nutzung gegeben ist, sondern es würde auch verhindern, dass das Gelände, z. B. durch die wilde Entsorgung von Müll, missbräuchlich genutzt wird. Sofern dies nicht möglich ist, fordert die FDP-Fraktion die WFB auf, das Gelände kurzfristig für Veranstaltungen zu öffnen, um durch Vermietung die laufenden Kosten des Geländes zu kompensieren. Hierzu müssen Anfragen und Anträge für Veranstaltungen umgehend bearbeitet werden.
  12. Die bestehenden Gebäude müssen für eine Umnutzung geprüft und der Erhalt der historischen Tribüne muss gewährleistet werden. Insbesondere die Tribüne spiegelt das Kulturgut Galopprennbahn und die damit verbundene Tradition wider.
  13. Der Runde Tisch muss jetzt und ohne weitere Verzögerungen eingesetzt werden, hierbei müssen wichtige Interessengemeinschaften mit eingebunden werden und ein ergebnisoffener Diskurs stattfinden. Der Volksentscheid ist für uns bindend und darf nicht nach der Frist von zwei Jahren von der Rot-Rot-Grünen Koalition umgangen werden. Dies wäre ein großer Schaden für die Demokratie in Bremen.

 

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